Essenziell: der Staat als Diener

Die Menschen in der Schweiz sind nicht besser – vieles ist einfach Glück. Und oft ist es Glück im Unglück, zum Beispiel mit Blick auf den Staat.

Zwar gibt es auch in der Schweiz Menschen, die den Staat entweder ausnutzen oder abschaffen wollen – im letzten Jahrhundert waren das eher arme Linke, inzwischen sind es eher reiche Rechte.

Aber wenn es Abstimmungen gibt in der Schweiz, und das geschieht mehrmals jährlich,  dann stellen sich doch die meisten Menschen hinter den Staat. Denn sie wissen gerade dann, wenn sie wählen und abstimmen: Es ist ihr Staat, und sie sind der Staat.

Das ist schon lange so. Aber nicht, weil die Herrscher finden, es sei vernünftig,  alle mitentscheiden zu lassen. Die gewöhnlichen Menschen in der Schweiz reden mit, weil es sie seit langem braucht – und weil grosse Herrscher dieses kleine Land nie erobern konnnten oder wollten.

Die Schweiz ist nicht flach und fruchtbar, sondern gebirgig und monatelang eisig kalt. Doch die Schweiz trennt mit ihren Bergen Italien von Deutschland und Frankreich. Deshalb waren die gewöhnlichen Leute schon vor 1000 Jahren wichtig, denn sie kannten die Wege durch die Berge.

Daraus machte die Schweiz früh ein Geschäft, und eigentlich ist das Land seit über 700 Jahren um dieses Geschäft herum aufgebaut. Und weil es in diesem Geschäft gewöhnliche Leute brauchte und keine grossen Armeen diese gewöhnlichen Leute beherrschen konnten, entschieden sie mit.

Dazu kamen die Bauern. Sie hatten sich vor allem die Alpweiden seit langem geteilt und waren also auch geübt darin, gemeinsame Interessen zu suchen. Daraus entstand in vielen Jahrhunderten ein Staat, der von den Menschen getragen ist und für die Menschen da ist – von den Dörfern mit ihren Gemeindeversammlungen bis zur Schweiz mit ihren Abstimmungen.

Ob Ihr das auch genauso braucht, ist fraglich. Wenn Ihr aber keinen Staat habt, der für Euch da ist und von Euch ausgeht, kann es nicht gutgehen.

Literatur (in Deutsch):

Eine geballte Ladung Schweizer Geschichte

Schweizer Geschichte aus lokaler Perspektive (PDF)

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Essenziell: Energie und Verkehr

Die Menschen in der Schweiz sind nicht besser als anderswo. Es ist auch Glück – manchmal im Unglück, zum Beispiel hinsichtlich Energie. Immer schon hat es in der Schweiz kalte Winter gegeben, aber auch Holz. Die Menschen heizten und kochten damit. Doch sie merkten schon vor vielen hundert Jahren, dass sie nicht die ganzen Wälder abholzen durften – mit Glück im Unglück: Denn wenn sie zu viele Bäume fällten, gab es Platz für Lawinen.

Vor etwa 150 Jahren dann kam die elektrische Energie – und wieder hatte die Schweiz Glück: Die vielen Berge und Tälern und Flüsse waren ideal für Wasserkraftwerke. Erst waren es Spekulanten, die diese Kraftwerke bauten. Doch weil es zu wenige Konsumenten für die elektrische Energie gab, ging den meisten Kraftwerke das Geld aus – und der Staat übernahm sie.

Weil praktisch gleichzeitig auch die Eisenbahnen Pleite gingen, sprang auch hier der Staat ein – und elektrifizierte die Eisenbahnen.

Das Resultat, das praktisch niemand vorausgesehen hatte: Die Kraftwerke und die Eisenbahnen profitierten, praktisch alle Häuser wurden ans Stromnetz angeschlossen – wichtige Grundlagen für den heutigen Wohlstand in der Schweiz.

Wenn die Häuser in Euren Regionen keinen Strom haben und es kein gutes Verkehrsnetz gibt, kann es nicht gutgehen.

Literatur (in Deutsch):

Kompakte und seriöse Schweizer Wirtschaftsgeschichte

Essenziell: Schulen

Die Menschen in der Schweiz sind nicht besser als anderswo. Es ist auch Glück, zum Beispiel mit den Schulen.

Vor etwa 500 Jahren befahlen viele Herrscher in der Schweiz ihren Untertanen, lesen zu lernen. Der Grund dafür war weniger Weitsicht als die damalige Spaltung der christlichen Kirche.

Seit ein paar Jahrhunderten beherrschte diese Kirche mit dem Papst in Rom an der Spitze auch die Schweiz. Viele Herrscher wollten das nicht mehr, nahmen der Kirche ihre Klöster, Ländereien und Rechte ab und schufen eine neue Kirche, in der niemand mehr zwischen Gott und den Menschen stand.

Um aber Gott kennenzulernen, mussten die Menschen die Bibel, das Buch der Christen, lesen können. Deshalb befahlen die Herrscher ihren Untertanen, nach dem Gottesdienst noch in die Schule zu gehen – und die Mädchen durften vielerorts auch mitmachen, weil sie sorgfältiger arbeiteten als die Knaben.

Mit der Zeit merkten die Herrscher in der Schweiz dann, wie wertvoll es war, wenn die Menschen gebildet waren. Und vor etwa 200 Jahren gab es schliesslich praktisch überall kostenlose Schulen für alle Kinder und Jugendlichen – und die Staaten der Schweiz, die Kantone, waren stolz auf diese Schulen und wetteiferten miteinander.

Inzwischen ist zwar in der Schweiz nicht mehr allen bewusst, wie wichtig gute Schulen sind. Doch wenn es Abstimmungen gibt, stellen sich doch die meisten hinter die Schulen, die vom Kindergarten bis zu den Universitäten kostenlos sind.

Wenn es also in Euren Regionen keine kostenlosen, guten Schulen gibt, kann es nicht gut werden.

Geld: wichtig und einfach zu verstehen

Geld ist eigentlich einfach zu verstehen. Zwar streiten sich Wissenschaftler, die sich intensiv mit Geld befassen, etwa darüber, ob Geld letztlich nur Kredit ist oder ob gedeckt sein muss durch Gold – oder sie streiten darüber, wie Geld entstanden ist: als Wert an sich oder als etwas, das Herrscher als Wert bezeichneten und von ihren Untertanen forderten.

Aber um Geld zu verstehen, braucht man diesen Diskussionen nicht zu folgen. Es reicht zu wissen, dass Geld der Spiegel oder der Ausweis einer Leistung ist: Für jede Frucht, die reift, für jede Arbeit, die ein Mensch oder eine Maschine leistet, kann ein Ausweis herausgegeben werden, der die entsprechenden Werte spiegelt.

Die Währungen sind insofern ein Spiegel aller volkswirtschaftlichen Leistungen, die ein Währungsraum erarbeitet. Das ist einfach, aber es wird kompliziert, weil darauf geachtet werden muss, dass die Leistungen und die Ausweise dieser Leistungen ungefähr im Gleichgewicht sind.

Gibt es zu viel Geld, weil zum Beispiel ein Staat einfach Geld druckt, um Löhne oder Schulden zu bezahlen, verliert das Geld an Wert: Es gibt mehr Geld, als Leistungen erbracht werden – das ist Inflation (Teuerung ist etwas anderes: wenn Preise steigen, weil zum Beispiel wegen schlechter Ernten wenig Ware da ist).

Literatur (in Deutsch):


Geschichte des Schweizer Frankens