Über

Disclaimer

Liebe Lesende,

allein seid Ihr beim Lesen, allein bin ich beim Schreiben; das Geschehen in unseren Köpfen ist unteilbar. Wohl können wir uns austauschen über das Gelesene oder zu Schreibende; doch das Werden der Worte, die Geburt der Gedanken ist und bleibt ureigene Angelegenheit.

Erscheint das beim ersten Hinlesen auch simpel, so ist es doch umso ungeheuerlicher, als jetzt (gerade jetzt) zwischen Eurer lesenden und meiner schreibenden Einsamkeit ein Band gesponnen wird, das uns in diesen Worten hier untrennbar fürs restliche Menschengedenken verbindet: jenseits von Zeit und Raum, nicht mehr rückgängig zu machen, endgültig.

Doch nicht genug der schauerlichen Abgründe, die sich in leichthin oder erdenschwer aufgeschriebenen und gelesenen Sätzen auftun: In unserer zwangsläufigen Einsamkeit bedingen wir uns noch gegenseitig. Sässe ich jetzt (gerade jetzt) nicht hier allein und schriebe, wäre die Leere zwischen uns ebenso allumfassend, wie wenn Ihr jetzt (gerade jetzt) nicht lesen würdet für Euch – und dabei wächst anscheinend wundersam Gemeinsamkeit.

Mag ja sein, werden sich nun manche vielleicht denken und den Lesefluss verlassen: Aber was soll dies Inhaltslose und Bedeutungsschwere hier und jetzt?

Nun, es sind hier die persönlichen, ersten Zeilen von mir für Euch; da kann und da will ich nicht anders als ausholen und reingreifen und begreiflich machen womöglich und buchstäblich.

Einerseits möchte ich das Bewusstsein schärfen für das Wesen von Worten, die in so vielem Widergänger des Lebens sind.

Andererseits und vor allem möchte ich Euch erklären, wer ich bin und warum ich hier namenlos bleiben möchte.

Ich hoffe, Ihr werdet verstehen, dass ich an meinem ganz gewöhnlichen Leben hänge: Ich möchte, da doch alles in diesen Seiten steht, niemand Auskunft darüber geben, warum ich schreibe und was ich damit bezwecke; ich möchte auch gar nicht prominent sein, sondern hier in den Schweizer Alpen mein ganz normales, kleines Leben führen in meiner gewohnten Umgebung und mit den Menschen hier: Sie interessiert nicht mein Schreiben, sondern ob ich den Kehricht hinausstelle, den Schnee schaufle und grüsse auf der Strasse, ob ich mit den Kindern draussen spiele oder sie verjage, ob ich der Nachbarin im Garten helfe oder einen neuen Zaun gegen ihr Grundstück hin aufstelle.

Mein Leben ist wie die meisten Leben ein gewöhnliches Leben, und ich möchte, dass es so bleibt.

Manche werden vielleicht nicht auf Anhieb verstehen, dass jemand nicht allgemein bekannt und beliebt sein möchte: Aber zum einen weiss ich, wie weit Medieninteresse die Menschen aus dem richtigen Leben hinauskatapultiert. Und zum anderen hat mir das Leben so viel gegeben, dass ich still und dankbar bin und gewiss nicht nach mehr strebe.

Jetzt, da ich dies schreibe, bin ich über das mittlere Alter hinaus, habe sozusagen ein Haus gebaut, Kinder gezeugt und einen Baum gepflanzt. Ich bin glücklich, sogar sehr glücklich verheiratet und habe grosse Kinder, die mir Freude bereiten und Traurigkeit, weil alles so zerbrechlich und vergänglich ist.

Mag sein, dass Schreiben auch ein ebenso armseliger wie hoffnungsloser Versuch ist, gegen diese Vergänglichkeit anzukommen. Doch ich weiss, dass alles vergeht, dass mein Name nur Schall und Rauch ist und auch deshalb nichts zur Sache tut.

Aber weil ich mir schon als Kind Gedanken darüber macht, warum das Leben so ist, wie es ist, und weil ich immer wieder Antworten auf diese Frage bekam, denen ich eine Form gab, hat sich viel angesammelt in all den Jahrzehnten.

Nun habe ich damit begonnen, es hier abzulegen: vorab als Chronik für mich und meine Nächsten, aber vielleicht auch als Anregung hie und da.

Advertisements