Tendenziell: Grundeinkommen und Transaktionssteuern

Transaktionssteuern und Grundeinkommen sind zwar von der Idee her nicht besonders anspruchsvoll. Aber Gesellschaften, die sie umsetzen wollen, müssen hoch entwickelt sein: vorab hinsichtlich der technischen Voraussetzungen im Finanzwesen und der Dienstleistungsbereitschaft im Staat. Länder wie die Schweiz bringen diese Voraussetzungen mit, und sie könnten Transaktionssteuern und Grundeinkommen technisch und politisch rasch einführen.

Tendenziell wird das in den nächsten Generationen auch geschehen, denn nach Lage der Dinge ist es klug, wenn nicht sogar zwingend, den Menschen von jenem Geld zu geben, das Maschinen verdienen. Darum geht es letztlich, und insofern ist diese Achse von Transaktionssteuer und Grundeinkommen auch nicht besonders schwer zu verstehen.

Mähdrescher in der Schweiz beim Ernten von Weizen für die Bierproduktion.

Auf der einen Seite ist die Tatsache, dass immer mehr Arbeit von Maschinen geleistet wird: ein Mähdrescher, der in einer Stunde das erntet, was 100 Menschen an einem Tag Handarbeit nicht schafften; Bagger, Computer, Roboter, die enorme Wertschöpfung leisten (Wertschöpfung ist ein anderes, wissenschaftliches Wort für Arbeit, und in der deutschen Sprache, aus der dieser Blog schöpft, ist „Wertschöpfung“ eigentlich ein viel besseres und zeitgemässeres Wort als „Arbeit“: Arbeit kommt von Mühsal, während Wertschöpfung bedeutet, Werte zu schöpfen – im Artikel zu Wertschöpfung und Produktivität gelegentlich mehr darüber).

Auf der anderen Seite fehlt den Menschen zunehmend Geld, weil sie keine vernünftige Arbeit mehr haben. Es ist zwar wunderbar, wenn Maschinen den Menschen die Arbeit abnehmen. Aber wenn die Menschen kein Geld mehr haben und aus der Wertschöpfung von Maschinen keine Steuern fliessen, kann das System von Produktion und Verbrauch auf Dauer nicht funktionieren. Eine Transaktionssteuer, die alle Geldbewegungen minimal belastet, und ein Grundeinkommen, das die Menschen aus dieser Steuer erhalten, bietet hier einen Ausweg.

Dieser Ausweg ist dabei weder politisch extrem noch wirtschaftlich unvernünftig, ganz im Gegenteil: Seit Menschen ernsthaft und wohlwollend über Steuern nachdenken, skizzieren sie Transaktionssteuern immer wieder als eine optimale Steuer: Sie greift unmittelbar in den Geldfluss und ist damit die ideale, weil absichtslose und neutrale Steuer – ein alter Menschheitstraum. Den Traum wahrzumachen und die Steuer umzusetzen, ist allerdings erst in unserer Generation realistisch. Noch vor wenigen Jahren waren die technischen Voraussetzungen schlicht nicht vorstellbar, inzwischen reicht sozusagen ein Smartphone samt Netz.

Auch das Grundeinkommen ist durchaus vernünftig: In späten 1960er Jahren dachten konservative Politiker um Richard Nixon in den USA ernsthaft darüber nach, den Menschen Geld zu geben, um den Konsum sicherzustellen. Inzwischen hat sich die Wertschöpfung dank Maschinenkraft extrem ausgeweitet, während immer mehr Menschen immer weniger Geld verdienen – und mit Abgaben auf den immer geringer werdenden Löhnen müssen in entwickelten Staaten noch Sozialversicherungen wie Renten oder Arbeitslosengelder finanziert werden.

Die Politiker und die Ökonomen wissen natürlich, dass die bisherigen Modelle teils dumm sind wie die Mehrwertsteuer, die Wertschöpfung und Arbeit verteuert, teils keine Zukunft haben wie die Finanzierung der Sozialwerke durch Lohnanteile. Die Achse von Grundeinkommen und Transaktionssteuer hinzustellen, hat allerdings noch niemand geschafft, denn das Ansinnen ist politisch extrem: Wer etwa in der Finanzwelt vom jetzigen System profitiert, will das natürlich nicht und bekämpft bereits Ansätze mit allen Mitteln.

Nicht ohne Ironie ist dabei, dass vor allem Menschen gegen Grundeinkommen und Transaktionssteuern kämpfen, die wenig Wertschöpfung erarbeiten: PR-Strategen, Banker, Trader. Nicht ohne Ironie ist auch, dass diese Gegner es schaffen, vor allem Menschen zu gewinnen, die viel Wertschöpfung erarbeiten: Bauern, Arbeiter, Hausfrauen.

Diesen Menschen wird bislang erfolgreich eingeredet, ein Grundeinkommen werde zu Faulheit führen, während den Reichen weisgemacht wird, mit der Transaktionssteuer wolle man ihnen etwas wegnehmen – das ist eine extrem starke politische Achse. Dabei ist es dank der Maschinenkraft inzwischen zum ersten Mal seit Menschengedenken möglich, die Reichen in Frieden zu lassen und den normalen Menschen gleichzeitig genug in die Hand zu geben für ein menschenwürdiges Dasein.

Das ist nicht viel verlangt, und wir können es schaffen.

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Geld: wichtig und einfach zu verstehen

Geld ist eigentlich einfach zu verstehen. Zwar streiten sich Wissenschaftler, die sich intensiv mit Geld befassen, etwa darüber, ob Geld letztlich nur Kredit ist oder ob gedeckt sein muss durch Gold – oder sie streiten darüber, wie Geld entstanden ist: als Wert an sich oder als etwas, das Herrscher als Wert bezeichneten und von ihren Untertanen forderten.

Aber um Geld zu verstehen, braucht man diesen Diskussionen nicht zu folgen. Es reicht zu wissen, dass Geld der Spiegel oder der Ausweis einer Leistung ist: Für jede Frucht, die reift, für jede Arbeit, die ein Mensch oder eine Maschine leistet, kann ein Ausweis herausgegeben werden, der die entsprechenden Werte spiegelt.

Die Währungen sind insofern ein Spiegel aller volkswirtschaftlichen Leistungen, die ein Währungsraum erarbeitet. Das ist einfach, aber es wird kompliziert, weil darauf geachtet werden muss, dass die Leistungen und die Ausweise dieser Leistungen ungefähr im Gleichgewicht sind.

Gibt es zu viel Geld, weil zum Beispiel ein Staat einfach Geld druckt, um Löhne oder Schulden zu bezahlen, verliert das Geld an Wert: Es gibt mehr Geld, als Leistungen erbracht werden – das ist Inflation (Teuerung ist etwas anderes: wenn Preise steigen, weil zum Beispiel wegen schlechter Ernten wenig Ware da ist).

Literatur (in Deutsch):


Geschichte des Schweizer Frankens