Herbstkrimi

Wir schauten vor Jahren einen Krimi aus Deutschland; ich sagte zu meiner Frau, dass ein Krimi aus dem Berner Oberland sicher mehr hergeben würde. Meine Frau folgerichtig: Also mach mal.

Okay.

Nachfolgend das 1. Kapitel des Herbstkrimis.

Wer Lust hat auf mehr, soll sich bitte melden: Ich schalte dann weitere Kapitel auf. Auch Kommentare sind natürlich so willkommen wie Anregungen – übrigens bin ich am dritten Band, der sich im Winter abspielt und mich selber etwas graust…

Absturz

Adrians 1. Fall

1

Das ohrenbetäubende Knattern der Rotoren, das Heulen der Turbine und den eisigen Wind, der ihm an der offenen Türe der Agusta entgegenschlug, nahm Adrian Fracaro gar nicht wahr. Routiniert prüfte er die Ausrüstung, gab den Kollegen sein OK und wartete auf das Kommando der Pilotin. «Yo», sagte sie, und schon glitt Adrian sanft ins Leere.

Wohl fünfzig Meter unter ihm, auf einem schmalen Felsvorsprung unterhalb des Eigergipfels, lag Sam Bender. Obwohl Adrian ihn noch gar nicht erkennen konnte, wusste er, dass es Sam war: Adrian kannte den gelben Gleitschirm mit dem dunklen Schriftzug «Seeblick», der wie eine aufgerissene Geschenkpackung dalag.

Adrian hoffte, dass Sam noch lebte. Erst Sekunden zuvor, als die Agusta über den Südgrat des Eiger geschossen war, hatten sie ihn gesehen. Auch die Pilotin Lara Stein, der Flughelfer Yuko Maki und der Rettungsarzt hatten es sofort gewusst: Wer kannte nicht Sam, den verrückten Gleitschirmpiloten und fröhlichen Koch aus dem Seeblick?

Die Winde lief langsamer; Lara hatte Mühe, den Helikopter, der praktisch über dem Eigergipfel schwebte, ruhig zu halten; wenige Meter noch und Adrian war bei seinem Freund. Ein paar knappe Kommandos über Funk, der Bergretter hatte Boden unter den Füssen und beugte sich zum Verunfallten: Sam schaute ihn aus glasigen Augen an, er atmete noch und stöhnte: «Der Schirm, der Schirm.»

«Ja, Sam, ich kümmere mich darum», sagte Adrian, «halt durch!». Es eilte: Schnell kappte Adrian die Leinen, die wie ein kaputtes Spinnennetz rundum Sam lagen, bettete den Schwerverletzten vorsichtig auf die Vakuum-Matratze und meldete nach oben, dass er bereit sei. In Windeseile hievte Flughelfer Yuko die beiden hoch zum Helikopter, der bereits Kurs aufs Spital Interlaken nahm.

Als Lara den Helikopter sanft neben dem Spital aufsetzte, eilte es nicht mehr.

Das Rauschen der Rotoren ging in ein Flattern über, und das Heulen der Turbine erstarb, als die Notfallequipe des Spitals den Wagen für den Verunfallten heranschob. Rettungsarzt Birrer schüttelte den Kopf, die Equipe hob den leblosen Körper auf den Wagen und schob ihn über den Landeplatz. Adrians Augen füllten sich mit Tränen, und als er Laras Hand sanft auf seiner Schulter spürte, drehte er sich zitternd zu ihr um, presste sie fest an sich und liess seinen Tränen freien Lauf. Auch Lara weinte ein bisschen.


Lust auf mehr?
Sobald mich jemand auffordert, werde ich weitere Kapitel aufschalten.

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