Hoffnungsschlimmer

Die Mutter tippt auf ihrem Smartphone herum und antwortet zwischendurch, ohne den Blick vom kleinen Bildschirm zu wenden,  auf die Bemerkungen des etwa Vierjährigen, der neben ihr auf dem Sitz im Bus quengelt.

Im Kinderwagen davor sitzt wohl sein Schwesterchen, ein kaum zweijähriges Mädchen. Es schaut mich an, uns trennen keine zwei Meter und eine dicke Stange, die quer durch den halben Bus läuft. Wenn ich den Kopf leicht hebe, sehe ich die Augen des Mädchens nicht mehr – vice versa.

Ich beginne das alte Spiel, es dauert buchstäblich nur Augenblicke, bis das kleine Mädchen verstanden und gelernt hat.

Wir unterhalten uns eine kleine Ewigkeit aufs Beste, haben Spass und lachen uns lautlos an. Niemand nimmt das wahr – zu schweigen vom Potenzial in den Menschen und dass dieses kleine Mädchen sein offensichtliches Potenzial vielleicht nie ausschöpfen, sondern von seiner Mutter und anderen Bewusstlosen abgelöscht werden wird.

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Akzeptotentanz

Feierabend, doch im Bus sind nicht viele Leute, und auf den Strassen der Stadt geht es recht zügig voran.

Kurz vor dem grossen Platz mit der Kreuzung, den Haltestellen und den Fussgängerstreifen, wo die Passanten seit Jahren Vortritt haben, kommt der Bus hinter einer Reihe von Fahrzeugen zum Stehen. Langsam geht es weiter, kaum 100 Meter werden es noch sein bis zur Kreuzung.

Plötzlich ruft der Busfahrer zum Fenster hinaus einem anderen Fahrer herausfordernd zu: „Schau einmal, wie achtlos diese Leute über die Fussgängerstreifen hühnern.“

Die Antwort von draussen ist nicht zu hören. Aber drinnen stösst ein alter Mann mit gepflegten langen, schlohweissen Haaren ebenso unvermittelt wie lauthals hervor: „Das ist ein verdammter Arschficker, der das eingeführt hat, den sollte man umbringen.“