Essenziell: Vater Staat, Mutter Erde

Die Ansichten drüber, was ein väterlicher Staat ist, gehen natürlich auseinander: je nach dem Bild des Vaters, je nach dem Bild des Staates, das jemand hat. Ein liebevoller Vater oder ein strenger, ein freigebiger Staat oder ein grosszügiger.

Die Ansichten darüber gehen auch in der Schweiz auseinander. Doch das allgemeine Bild von Vater Staat und Mutter Erde ist so stark, dass daneben im Alltag die persönlichen Bilder verblassen.

Deshalb herrscht in den politischen Debatten der Schweiz, ausser an den extremen Rändern, kein Zweifel daran, dass ein väterlicher Staat essenziell ist – und die Erde mit ihren vielfältigen Früchten ohnehin die Grundlage allen Lebens: Die Schweiz ist ursprünglich ein Land von eher ärmlichen Bauern, und der grosse, menschenfreundliche deutsche Dichter Friedrich Schiller forderte in seinem Theaterstück von Wilhelm Tell dazu auf, dieses „Volk der Hirten“ kennenzulernen (ich versuche, dazu hier einen klitzekleinen Beitrag zu leisten).  

Das Bild des Vaters ist in der Schweiz vor allem ein fürsorgliches: Der Vater kümmert sich um die Familie, hat ein offenes Ohr für alle, ist gerecht und sorgt für Ordnung im Haus. Autorität fehlt dabei nicht, aber sie kommt eher von der väterlichen Funktion als von der Persönlichkeit – staatlich bildet sich das in selbstverständlicher Gewaltentrennung und Rechtssicherheit ab, davon mehr an anderer Stelle.

Vater Staat ist in der Schweiz auch weder einschüchternd noch unnahbar oder abweisend. Zwar haben letztlich auch hier die Eliten das Sagen. Aber weil diese Eliten die kleinen Leute in der kleinen Schweiz brauchen, und weil die Schweizer Eliten überdies seit Jahrhunderten ihre Schweizer Demokratie rühmen, hat sich der Staat entsprechend entwickelt: Der Staat wächst aus der Bevölkerung und dient der Bevölkerung so ähnlich, wie ein Vater aus seiner Familie wächst und ihr dient. Die Menschen in der Schweiz, die sich für Politik interessieren und sich daran beteiligen, haben denn auch insgesamt ein starkes Selbstbewusstsein als sogenannter „Souverän“  –  und der Staat hat diesem Souverän zu dienen.

Zu Beamten zu gehen und etwas zu wollen, ist deshalb in der Schweiz kein Problem, und dass so etwas verbunden sein könnte mit Korruption, ist im Alltag praktisch unvorstellbar. Was natürlich auch mit den guten Löhnen der Beamten zu tun hat, und was nicht heisst, dass es in der Schweiz keine Korruption gibt: Wo viel Geld im Spiel ist, ist Korruption auch in der Schweiz ein Thema – und als kleiner, sachkundiger Vermittler im weltweiten Spiel der grossen Kräfte hat die Schweiz hinsichtlich globaler Korruption bekanntlich eine Sonderstellung.

Im Kleinen jedoch, im Alltag der Menschen ist der Staat in der Schweiz tatsächlich recht väterlich und ein Diener der Menschen – auch davon an anderer Stelle mehr: der Staat als Diener.

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