Essenziell: Demokratie braucht Erwachsene

Demokratie ist wahrscheinlich eine gute Art, miteinander umzugehen, und die Schweiz ist wahrscheinlich ein gutes Vorbild für Demokratie. Nun bedeutet Demokratie zwar, dass alle Menschen mitreden können, und in der Schweiz gibt es alle paar Wochen Abstimmungen oder Wahlen. Was auch damit zu tun hat, dass es in der Schweiz nur wenige Unterschriften braucht, damit es Abstimmungen gibt – und dass also immer irgendjemand Unterschriften für irgendeine Abstimmung sammelt.

Aber Demokratie braucht erwachsene und selbstbewusste Menschen, denn sie kann nur gut funktionieren, wenn die Menschen nicht zuerst an sich und ihre Nächsten denken, sondern eine bestimmte Distanz zu sich haben: genau jene Distanz nämlich, die es braucht, um das allgemeine Interesse zu erkennen.

Wenn diese Distanz fehlt, wird aus der Demokratie eine Art Kindergarten, in dem alle um ihre eigenen Interessen streiten. Viele Demokratien sind leider so, und die Menschen kämpfen dort bis aufs Blut um ihre eigenen Interessen, oder sie haben sogar Führer, die ihre Demokratien lenken. Aber die Menschen wissen ja auch nicht, dass Demokratien diese Distanz der einzelnen Menschen und Gruppen zu sich selbst brauchen. Und die Mächtigen erklären ihnen das auch nicht, denn sie kämpfen ja oft selbst vor allem für ihre eigenen Interessen.

Diese Entwicklung zum politischen Kindergarten gibt es auch in der Schweiz. Aber weil die Mächtigen hier ständig die Demokratie rühmen, und weil in guten Demokratien wie von selbst Ruhe und Ordnung herrschen, wagen die Mächtigen es nicht, offen ihre eigenen Interessen durchzusetzen und die Demokratie damit kaputtzumachen.

In der Schweiz ist die Demokratie noch nicht kaputt, denn oft beweisen die Menschen in den Abstimmungen, dass sie die notwendige Distanz zu sich selbst haben: Letzthin haben sie es zum Beispiel deutlich abglehnt, sich selber mehr Ferien zu geben. Auf der ganzen Welt haben das viele Menschen nicht verstanden oder darüber gelacht. Wer bis hierher gelesen hat, wird nicht lachen oder den Kopf schütteln, sondern staunen.

Literatur:
Robert Pfaller: Erwachsenensprache

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